Formaldehyd-Sanierung mit speziellem Schafwollvlies


Ausgangssituation
Aufgrund konstruktiver Gegebenheiten ist es nicht immer möglich, bedeutsame Formaldehyd-Quellen im Gebäude auszubauen. In diesen Fällen ist es wünschenswert, durch andere, gesundheitlich unbedenkliche und umweltverträgliche Maßnahmen die Formaldehyd-Belastung der Raumluft effektiv und dauerhaft zu senken.

Idee und Realisation

Schafwolle besteht aus Eiweißfasern - diese wiederum zu ca. 97 % aus Proteinen. Deren kleinster chemischer Baustein ist die Aminosäure. Formaldehyd ist als äußerst reaktives Molekül in der Lage, mit den Aminosäuren chemisch zu reagieren. Es bilden sich stabile und unschädliche Verbindungen, die zu irreversiblen Vernetzungen zwischen den Peptidketten der Schafwollfasern führen (Bild 1).

Unter der Leitung von Dr. Zwiener wurde 1998 im Rahmen eines Forschungsprojektes der Nachweis geführt, dass sich speziell hergestellte Schafwollvliese - bei sachgemäßem Einbau - sehr gut zur effektiven und dauerhaften Absenkung der Formaldehyd-Konzentration in der Raumluft eignen, und zwar auch bei hohen Ausgangsbelastungen.

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes wurden 1999 auf der International Conference on Indoor Air Quality and Climate vorgestellt.

 

Bild 1: Schematische Darstellung der chemischen Reaktion der Aminosäuren (blau) der Keratin-Peptidketten (orange) mit Formaldehyd (grün) unter Bildung von irreversiblen Vernetzungen (dunkelblau)

Praxisanwendung
Auf Grundlage eines durch das Sachverständigen-Büro Dr. Zwiener entwickelten Sanierungskonzeptes wurde das Verfahren 1998 erstmals erfolgreich in die Praxis umgesetzt (Sanierung des Kindergartens Auf dem Sändchen, Langenfeld).

Ein Großgebäude wurde erstmals 2002 mit dem neuen Verfahren erfolgreich saniert. Das Schulzentrum Bad Oeynhausen war erheblich mit Formaldehyd belastet. Ursache waren Emissionen der verlorenen Deckenschalung aus Rohspanplatten (Bild 2). Ein Ausbau der Schalung war wirtschaftlich nicht möglich. Die Umsetzung des durch das Sachverständigen-Büro Dr. Zwiener erstellten Konzeptes führte zur Lösung des Formaldehyd-Problems (Bild 3).

Bild 2: Formaldehyd-Quelle verlorene Deckenschalung aus Rohspanplatten<br>&nbsp;
Bild 3: Erfolgreiche Sanierung von 4.000 m² Schulfläche mit speziellem Schafwollvlies (doscha-Wolle, Fritz-Doppelmayer GmbH)<br>&nbsp;
Bild 4: Präsentation des neuentwickelten Vlieses durch Bauminister Bodewig und Verbraucherschutzministerin Künast
Bild 5: Dr. Zwiener, Ministerin Künast, Minister Bodewig